Chronik

Die Geschichte unsere Gemeinde ist eng verbunden mit der des Wasserschlosses und der Pfarrkirche. Beide Wahrzeichen unseres Ortes wurden in der Neuzeit durch Feuersbrünste zerstört. Urkundlich erwähnt ist ein Brand zum Jahreswechsel 1668/69, der das Gotteshaus zerstörte. Beim Schloss ist eine Vernichtung durch Feuersbrunst um 1500 sehr wahrscheinlich, ist doch in dem Bild von 1508 (an der Ostseite des Schlosses bei der Sonnenuhr) sehr deutlich das brennende Schloss zu sehen. Die Bekämpfung von Bränden lag lange Zeit in der Hand des Schlossbesitzers und seinem Gesinde.

1874 brannten in Kottingbrunn fünf Häuser ab. Wahrscheinlich waren es die vielen Brände in den Ortschaften Niederösterreichs, die die Landesregierung zu folgendem Erlass bewog:

„In jeder geschlossenen Ortschaft von wenigstens fünfzig Häusern hat eine freiwillige oder besoldete Feuerwehr zu bestehen.“

Es waren die zahlreichen Brände – mitunter durch Brandstiftung verursacht – die im Jahre 1877 zur Gründung unserer Feuerwehr führten. Das dazugehörige Gerätehaus war schon im Jahre 1872 unter Bürgermeister Löderer erbaut worden.

Fünfzehn Kottingbrunner Männer gründeten die erste Feuerwehr in unserem Ort. Neben dem 1. Kommandanten Raimund Dworzak finden sich heute noch bekannte Namen wie Johann Scherz, Wenzel und Anton Haas, Franz Zöchling, Matthias Grabner und Anton Patleich unter den Gründungsmitgliedern.

Das Geld für die Erstausstattung wurde von den Feuerwehrkameraden vorgestreckt. Die Gemeinde kaufte die erste Spritze an. Mit dieser Kolbenpumpe wurde das Wasser aus einem Behälter gesaugt, der mit Eimern gefüllt werden musste.

Nach und nach wurde die Ausrüstung erweitert. 1890 lieferte die Fa. Kernreuter eine 2. Spritze um 900 Gulden. 1896 wurde eine zweirädrige Schiebeleiter um 265 Gulden angekauft.

Schon bald nach Beginn des ersten Weltkrieges richteten Explosionen in den Munitionsfabriken Enzesfeld und Blumau auch in unserem Ort Sachschäden an. Am furchtbarsten und folgenschwersten empfand man jedoch den Brand, der am 12. Juni 1915 auf der Kaisertribüne durch die Unachtsamkeit eines Handwerkers ausgebrochen war.

Durch einen kräftigen Südostwind angefacht, wurden nicht nur die Holzbauten der Tribüne ein Raub der Flammen. Auch einige Bauernhäuser im „Unteren Ort“ fingen Feuer und brannten ab. Feuerwehr und freiwillige Helfer hatten Großeinsatz.

Die Zwischenkriegszeit

Der technische Fortschritt ermöglichte nach dem 1. Weltkrieg eine Änderung des Geräteparks. Die Mittel dazu hätte die Gemeinde damals nicht allein aufbringen können. Eine Reihe von Veranstaltungen wie Bauernreiten, Tombolas, Faschingsumzüge und Bälle brachten einen Reinerlös von S 6000,-, den Rest steuerte die Gemeinde bei.

Unter Bgm. Franz Rabacher wurden im Jahre 1927 um S 7000,-  ein Rüstwagen der Feuerwehr Mödling und um S 10.870,- eine zweirädrige Kraftspritze der Fa. Rosenbauer gekauft.

Das Feuerwehrwesen im 2. Weltkrieg

Um den erhöhten Anforderungen, die die Kriegsereignisse an die Feuerwehr stellten, gerecht zu werden, wurde im Jahre 1943 unter Bgm. Friedrich Haasl eine moderne Löschgruppe der Wehr zugewiesen. Der alte Rüstwagen wurde verkauft.

Zwei Tage vor dem Einmarsch der russischen Truppen musste auf Befehl der komplette Löschzug nach Baden überstellt werden. Über den weiteren Verbleib ist bis heute nichts bekannt.

Die Besatzungszeit

Die Feuerwehr hatte nach Kriegsende keine Geräte. Durch Zufall konnte in Erfahrung gebracht werden, dass in einer Fabrik am Kanal noch eine tragbare Motorpumpe vorhanden war. Unter Führung des damaligen Hauptmannes Josef Mehlstaub brachten einige beherzte Männer dieses Gerät ins Feuerwehrhaus. Ein Denunziant meldete dies der Besatzungsmacht. Nur die Intervention einer russischen Majorin, die im Haus des Josef Mehlstaub einquartiert war, bewahrte die Männer vor dem Tod durch Erschießen.

Rund um den mutigen Kommandanten scharte sich  ein Trupp pflichtbewusster Männer, der den Feuerwehrbetrieb wieder aufbaute. Dazu ein KFZ, das in einen leistungsfähigen Rüstwagen umgebaut wurde.

Die Ära Mehlstaub geht zu Ende

Am 23. März 1958 schrieb der Kommandant Josef Mehlstaub:

Verehrte Gönner, Feuerwehrfreunde und Feuerwehrkameraden!

Das Jahr 1956 brachte uns die vollständige Beseitigung aller Kriegsschäden. Wir haben den Feuerwehraufbau durchgeführt und vollendet. Wenn wir heute besser denn je ausgerüstet sind, um unseren Mitmenschen zu helfen, so verdanken wir das in erster Linie der großen Opferbereitschaft der Bevölkerung von Kottingbrunn.

Wir danken aber auch dem Bgm. Karl Haindl und der Gemeindevertretung für die uns so wertvolle Unterstützung. Wir versprechen, auch weiterhin in treuer Kameradschaft unsere freiwillig übernommene Pflicht zum Wohle unseres Ortes und unserer Heimat mit derselben Treue weiterzuführen wie bisher. Gut Wehr!“

Am 24.1.1960 legte er sein Amt, das er seit 15.1.1939 innegehabt hatte zurück und verstarb noch in demselben Jahr. Er wurde als Ehrenhauptmann der FF Kottingbrunn, der er 62 Jahre angehört hatte, zu Grabe getragen.

Kommandant Adolf Korel

Am 03. April 1960 wurde sein bisheriger Stellvertreter Adolf Korel zum Kommandanten, Franz Zöchling zum neuen Stellvertreter gewählt. 1967 teilte die Gemeindevertretung dem Kommandant Korel mit, dass eine Sanierung und Erweiterung des alten Gerätehauses nicht sinnvoll wären. Ein Neubau wäre ins Auge zu fassen.

Das zweite Feuerwehrhaus wird errichtet

Am 13. Mai 1967 fand die erste Gerätehausbausitzung statt. Bei der Angebotseröffnung für den Rohbau stockte allen Teilnehmern der Atem: Der Bestbieter war zu teuer – aus der Traum vom Neubau? Keineswegs, denn Adolf Korel und Zahlmeister – später Verwalter – Johann Steinhauser ließen nicht locker und fanden einen Weg: „Alles was wir selbst machen können, wird in Eigenregie gemacht, dazu vermehrte Sammlungen, Bittbriefe und viel Hoffnung““ war ihre Devise.

Aus den peniblen Aufzeichnungen der Feuerwehr geht hervor, dass insgesamt 2153 freiwillige Arbeitsstunden bis zur Fertigstellung des neuen Gerätehauses angefallen sind.

Adolf Korel sollte den großen Tag der Einweihung des neuen Hauses nicht mehr erleben: Er wurde am 18. Februar 1970 vom Leben abberufen. Der Schock saß tief, war doch neben der Fertigstellung die Eröffnungsfeier und der Bezirksfeuerwehrtag zu organisieren.

Franz Zöchling

sprang als Kommandant ein, Franz Binder wurde sein Stellvertreter.

In einer stürmisch verlaufenen Sitzung wurde Franz Wöhrer am 16. Jänner 1971 zum Kommandanten gewählt. Franz Binder stand als Stellvertreter weiterhin zur Seite.

Der erste Feuerwehrheurige im Jahr 1974 ging auf die Initiative des Karl Bilik zurück, der vieles im Alleingang organisiert hatte. Heute hat der Feuerwehrheurigen einen fixen Platz im Kottingbrunner Veranstaltungskalender. Seit dem Jahr 1999 findet er im und vor dem neuen Feuerwehrhaus statt.

Die Feuerwehrjugend

Bei der Mitgliederversammlung im Jahre 1976, wurde von Brandmeister Alois Braun der Antrag gestellt ei

ne Feuerwehrjugendgruppe zu gründen. Diesen Antrag wurde stattgegeben. So wurde am 25. März 1976 die Jugendgruppe im Niederösterreichischem Landesfeuerwehrverband angemeldet.

Mit 02. Mai 1976 wurden erstmalig 19 Burschen zur Feuerwehrjugend aufgenommen.

Weitere Aufrüstung

Im Zuge der Markterhebung wurde der Kottingbrunner Feuerwehr ein neues Tanklöschfahrzeug versprochen, das im Frühjahr 1975 dann übergeben wurde. Zug um Zug wurde die Ausrüstung verbessert.

Anlässlich des Jubiläums 110-Jahre FF Kottingbrunn konnte eine fahrbare Schiebeleiter ihrer Bestimmung übergeben werden.

Bei der Jahreshauptversammlung imJänner 1991 kam es bei der Kommandantenwahl zu einer Kampfabstimmung zwischen Franz Wöhrer und Josef Seitz. Mit 32 zu 27 Stimmen blieb der bisherige Kommandant Sieger.

Franz Wöhrer war aber durch eine schwere Krankheit gezeichnet und bot in den letzten Jahren seiner Amtstätigkeit immer wieder Anlass zu Kritik. Im Jahre 1992 trat OBI Herbert Gebhart als Kommandantstellvertreter zurück. Ihm folgt für zwei Jahre Hubert Siegel junior. Am 27. März 1994 legte Franz Wöhrer sein Amt zurück. Bei der Wahl vom 10. April 1994 folgt ihm das Duo Helmut Pischem und Robert Weitzbauer.

Neue Standortsuche für das Feuerwehrhaus

Noch unter HBI Franz Wöhrer kam es zu Gesprächen über einen Neubau des Feuerwehrhauses, obwohl das alte noch nicht einmal 20 Jahre alt war.

Nach vielen aufregenden Sitzungen und parteipolitischen Geplänkel war es am 18.10.1998 endlich so weit: Das neue Haus wird eröffnet

Die BürgerInnen der Marktgemeinde Kottingbrunn feiern mit den Feuerwehrkameraden das Jubiläum „125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Kottingbrunn“. Nach kurzen, intensiven und konstruktiven Verhandlungen mit der Marktgemeinde wurden 2002 der Zubau von zwei Garagenplätzen und die Umkleidemöglichkeit für Frauen beschlossen.

Ein Grundsatzbeschluss bei der Jahreshauptversammlung 2003 ermöglichte nun auch die Aufnahme von Frauen in die Wehr. Noch im selben Jahr wurden Julia Traunfellner und Petra Braunstein aufgenommen.

Modernisierungsoffensive

Die Zeit Ende der Neunziger und Anfang des neuen Jahrtausends, war geprägt von rigorosen Erneuerungen im Bereich Fuhrpark, Gerätschaften, persönlicher Schutzausrüstung und vor allem ein völliger Wandel in Aus- und Weiterbildung der Feuerwehrmitglieder. So wurde in diesen Jahren der Fuhrpark komplett erneuert. Die Einsatzbekleidung wurde den gestiegenen Anforderungen entsprechend erneuert und der gute alte Silberhelm, wurde nunmehr schon in zweiter Generation durch neue GFK Feuerwehrhelme ersetzt. Gummistiefel und Arbeitshandschuhe vom Baumarkt sind längst Geschichte. Die Funkgeräte und Pager wurden von Analog auf Digital umgerüstet.

Nach einigen Turbulenzen bei den Wahlen 2006 um die Nachfolge von Weitzbauer, wurde der bisherige zweite Kommandant – Stellvertreter Jürgen Lauer und nach dessen Rücktritt 2007 Christopher Pischem zum Kommandant – Stellvertreter gewählt. Das Duo Heinz Hobiger und Franz Braunstein, welche den Verwaltungsdienst mehr als zwei Jahrzehnte hervor-ragend bewältigten, entschloss sich ihre Funktionen zur Verfügung zu stellen. Zum Leiter des Verwaltungsdienstes wurde Helmut Knapp ernannt.


Nach 22 Jahren Leitung der Wehr und gesamt 32 Jahren im Feuerwehrkommando entschloss sich Helmut Pischem sein Amt in jüngere Hände zu legen. Bei den Wahlen im Jänner 2016 wurde Christopher Pischem neuer Kommandant. Zum frei gewordenen Posten des Kommandant – Stellvertreter wurde Michael Kantner gewählt. Zum Leiter des Verwaltungsdienstes wurde der bisherige Verwalter Helmut Knapp und in weiterer Folge Wolfgang Traunfellner zu seinem Stellvertreter ernannt.

Mit Stand Jänner 2022 verfügt die Freiwillige Feuerwehr Kottingbrunn über 10 Fahrzeuge, die zusammen mit unseren ausgebildeten Mitgliedern für ein sicheres Kottingbrunn sorgen.